Thurgauer Zeitung, 29. Mai 2013

Viel los auf Gleis 5

Team Gleis 5: Noce Noseda, Simon Engeli, Rahel Wohlgensinger, Giuseppe Spina, Joe Fenner.(Bild: Dieter Langhart)

FRAUENFELD. Die Theaterwerkstatt Gleis 5 in Frauenfeld hat sich einen guten Namen gemacht in ihrem ersten Jahr. Übermorgen feiert sie Geburtstag.

Tout juste: um vier Uhr früh kehrt Giuseppe Spina als letzter heim, einen Tag vor der Eröffnung am 31. Mai 2012. Dann geht die Theaterwerkstatt Gleis 5 auf, in der umgebauten Lokremise auf dem stillgelegten Stumpengleis. Und wo kein Zug mehr abfährt, ist Theater inzwischen in voller Fahrt: Kindertheater, Sprechtheater, Musiktheater. Drum wird übermorgen der erste Geburtstag gefeiert, mit einem Apéro für den Förderverein, der bereits 170 Mitglieder zählt, und mit einem Gratiskonzert für alle.

Der Eröffnungsabend vor just einem Jahr sprühte vor Energie und Aufbruchstimmung, inzwischen hat sich die Theaterwerkstatt einen Namen gemacht in Frauenfeld und Umgebung. «Das Gleis 5 ist sehr gut angelaufen», fasst Schauspieler und Musiker Simon Engeli zusammen.

Hohe Auslastung

Er und seine Mitstreiter – Rahel Wohlgensinger, Giuseppe Spina, Andrea Noce Noseda und Joe Fenner – sind zufrieden. Die Vorstellungen sind zu 80 Prozent ausgelastet, die Eigenproduktionen zu 90, und die Netze für Zusammenarbeiten werden dichter geknüpft.

Die Macher der Theaterwerkstatt spielen Theater und Puppentheater, singen oder führen Regie, treten am Theater Konstanz auf, sommers beim See-Burgtheater oder beim Schlosstheater Girsberg. Im eigenen Haus konzentrieren sie sich auf Kindervorstellungen, der Zuspruch von Basisstufe und Kindergarten wächst, Workshops werden zusammen mit dem SBW Haus des Lernens abgehalten, Kurse für Improvisationstheater mit dem Eisenwerk. Rahel Wohlgensinger probt derzeit für ihr neues Stück, das schon für Kinder ab vier Jahren geeignet ist; im Herbst folgt «Herr Eichhorn und der erste Schnee» und für Erwachsene ein Stück über Frauenfeld und seine Soldaten, das in Zusammenarbeit mit dem Waffenplatz entsteht.

Vernetzung pur

Für Erwachsene ist auch die neue Sommerproduktion gedacht: Michail Bulgakovs «Meister und Margarita». Premiere ist am 20. August auf Schloss Girsberg, wo bereits «Die drei Musketiere», «In 80 Tagen um die Welt» und «Scapins Streiche» aufgeführt worden sind. Vernetzung pur: Noce Noseda hat Bulgakovs Roman für die Bühne umgeschrieben, führt Regie und spielt den Meister, Cornelia Montani die Margarita; in weiteren Rollen sind Daniel Schneider und Christoph Elsässer zu sehen – die mit ihr das Trio Lili Pastis Passepartout bilden, das an der Geburtstagsfeier auftritt – und vom Theater Konstanz Ingo Biermann und Otto Edelmann.

«Wir wollen keine Insel sein», sagt Giuseppe Spina zu den Kooperationen auf allen Ebenen. Das Team geht aktiv auf andere Theatermacher und Veranstalter zu, der nächste Frauenfelder Kulturstammtisch findet im Gleis 5 statt, man tritt gegenseitig den Gönnervereinen bei, Stadtammann Carlo Parolari kommt in fast jede Vorstellung.

Werben und ausweiten

Doch die Theaterwerkstatt ist noch nicht da, wo sie hin will. «Wir müssen sie noch besser bekannt machen», sagt das Team, denn immer noch gebe es Frauenfelder, die den Ort hinter dem Bahnhof nicht kennen. Die fünf haben die alte Remise mit viel Eigenarbeit gut isoliert, haben eine kräftige Heizung einbauen lassen – doch die ruft nach einer Lüftung für die warmen Monate.

Und im Herbst wird das Themenspektrum ausgeweitet: Alois Riklin spricht über Lessings Ringparabel. Kein neuer Vortrag des St. Galler Politikwissenschafters, aber gewiss einer, der neue Gesichter ins Frauenfelder Theaterhaus bringen wird.

Dieter Langhart