Tagblatt Online, 19. Mai 2012 

Theater aufgegleist

Vier der fünf Gleis-5-Macher: Joe Fenner, Giuseppe Spina, Simon Engeli, Andrea Noce Noseda. (Bild: Dieter Langhart)

FRAUENFELD. Früher SBB-Lokdepot, jetzt Baustelle, in zwei Wochen grosse Eröffnung: Die Theaterwerkstatt in Frauenfeld nimmt Gestalt an. Und hat vieles vor.

DIETER LANGHART

Eine einzige Baustelle! Aber der schwarze Bühnenraum leuchtet dunkelrot im Rücken und blau von der Decke. Kabelrollen und Farbeimer stehen herum, auf der Leiter schraubt ein Elektriker Leitungen an die Wand. Er ist nicht der einzige Handwerker auf der Baustelle in der alten Lokremise gleich hinter dem Bahnhof Frauenfeld. Es braucht Fachleute, und die Zeit drängt: In zwei Wochen geht die Theaterwerkstatt Gleis 5 auf. Einiges an Arbeit bleibt auch den vier Männern im Übergwändli noch, die sonst Theater machen.

Ex-Architekt baut die Tribüne

Joe Fenner hantiert mit Wasserwaage und Schraubenzieher. Er ist der richtige Mann, die Zuschauertribüne zusammenzubauen. Er war Architekt, dann belegte er den ersten Jahrgang an der Scuola Teatro Dimitri in Verscio – und baute dessen Zuschauertribüne. Das war vor mehr als dreissig Jahren.

Jahre nach ihm erlernten da auch Andrea Noce Noseda und die Romanshorner Simon Engeli und Giuseppe Spina ihr Handwerk. Die vier machen manches allein, vieles zu zweit, zu dritt, zu viert: Bewegungstheater, Musik, Regie (Engeli derzeit für «Frida Kahlo» am See-Burgtheater).

Zur Theaterwerkstatt Gleis 5 gehören auch Engelis Frau, die Puppenspielerin Rahel Wohlgensinger, sodann Miriam Chiara Di Natale, Juristin und Maskenbildnerin. Wo einst SBB-Mechaniker Loks und Waggons in Schuss hielten, entsteht eine Plattform für Kleinkunstprojekte und eine Werkstatt für Theaterproduktionen. Hier wird geplant und erarbeitet, von hier gehen Stücke hinaus ins Land auf Tournée. Dann ist Platz für andere; im Sommer etwa eine Gruppe der Zürcher Hochschule der Künste. «Das ist unsere Homebase», sagt Simon Engeli, «das gibt ein gutes Gefühl.» Giesst sich einen Pausentee ein, um gleich wieder mit anzupacken und fürs Foto vier Sessel in den Zuschauerraum zu hieven. Hundert dieser Stühle hat das Team von einem ausrangierten Theater in Verbagnia erhalten und bei Engelis Grossvater zwischengelagert; jetzt harren sie der Theaterdinge, die da kommen werden, und der Zuschauer, die das Gleis 5 gleich an vier Tagen erstmals willkommen heisst.

Ergänzung, nicht Konkurrenz

Wird sich die Theaterwerkstatt auch rechnen? Gönnerverein und Mailingliste wachsen, «und wir bieten eine Stuhlpatenschaft an», sagt Engeli. Der Kanton hat einen rechten Investitionsbeitrag aus dem Lotteriefonds beigesteuert; noch offen ist eine Leistungsvereinbarung. Die Stadt Frauenfeld steht ebenso hinter dem Projekt, das keine Konkurrenz zu Veranstaltern sein wird, sondern Ergänzung. «Wir sind kein Gastspielhaus», sagt Engeli, «bei allen Vorhaben besteht eine Verbindung zu den Teammitgliedern.» Und erwähnt gleich die nächsten Vorhaben: ein Jugendstück; das Sommerstück («Scapins Streiche» von Molière); als Co-Produktion mit dem Theater Stadelhofen das Kinderstück «Sultan und Kotzbrocken». Simon Engeli: «Den Titel dürfen wir nicht ändern – aber in Mundart übertragen. Dann wird er nicht mehr so hart klingen.»