Tagblatt Online, 18. Februar 2012 

Viel Wohlwollen fürs neue Theater

Zukünftige Bühne in der Theaterwerkstatt Gleis 5 am Frauenfelder Bahnhof. Noch muss viel Dämmmaterial in den Raum eingebaut werden. (Bild: Martin Preisser)

FRAUENFELD. Die Theaterwerkstatt Gleis 5 in Frauenfeld nimmt langsam Gestalt an. Fünf Theaterschaffende und eine Juristin wollen das neue Theaterhaus im Sommer eröffnen. Sie verstehen die ehemalige SBB-Lokremise in erster Linie als Ort, an dem neue Produktionen entstehen sollen.

MARTIN PREISSER

Grosse Mengen Dämmmaterial liegen in der Lokremise herum. Es muss in den nächsten Wochen eingebaut werden. Aber mindestens so viele Theaterrequisiten und Musikinstrumente sind ebenfalls schon da. In den letzten Monaten ist es kräftig vorangegangen mit der Idee der Theaterwerkstatt Gleis 5, die nur durch einen Prellbock vom Schienenverkehr des Frauenfelder Bahnhofs abgetrennt ist.

Breite Unterstützung

Letzten September wurde für die neue Theaterstätte ein Verein gegründet, präsidiert wird er von Paul Engeli aus Romanshorn, dem Vater von Simon Engeli, einem der Schauspieler im Theaterwerkstatt-Quintett. Über 200 Mitglieder zählt der Verein bereits, und über 30 000 Franken sind bereits in der Vereinskasse. Das Wohlwollen, das der Theateridee von Simon Engeli, Joe Fenner, Noce Noseda, Giuseppe Spina, Rahel Wohlgensinger (und Juristin Miriam Chiara di Natale) entgegengebracht wird, lag vorgestern bei einem ersten Theaterrundgang mit Gönnern und Freunden förmlich in der Luft.

Wie über einen über Monate dauernden Adventskalender hätte er sich gefreut, als Tag um Tag neue Mitgliedschaften hereingekommen seien, sagte Kassier Noce Noseda. Die Theaterwerkstatt-Leute freuen sich aber auch über die Offenheit von Behörden und Institutionen, von Stadt und Kanton. Schauspieler Giuseppe Spina bringt es auf den Punkt: «Stadt und Kanton haben sich so verhalten, wie man es sich als Kulturschaffender nur wünschen kann.» Mit knapp 200 000 Franken sind die Umbaukosten für die Lokremise budgetiert, mehr als 70 000 Franken sind Eigenleistungen. Kanton und Stadt, die Kantonalbank und Firmensponsoren sind angefragt. Eine problemlose Unterstützung scheint wahrscheinlich.

Die Crew der Theaterwerkstatt hält aber nicht einfach die Hand auf und wartet, sondern packt direkt mit an. Alle helfen nach Kräften mit, das alte Lok-Depot mit seinen beiden schmalen Sälen (einer wird Theaterraum mit einer sechs mal fünf Meter grossen Bühne, der andere wird Foyer und Bar) in ein schmuckes Heim für eine neue Thurgauer Theaterstätte zu verwandeln.

Aufbruchstimmung

Am 1. und 2. Juni soll eröffnet werden, mit einem Stück über Frida Kahlo und in Zusammenarbeit mit dem See-Burgtheater Kreuzlingen. Die Theaterwerkstatt will die bestehenden Theater im Thurgau nicht konkurrenzieren, ja sucht im Gegenteil Synergien. An Ideen, die Räume zu bespielen, fehlt es nicht, auch wenn die Theatercrew nicht in erster Linie als Veranstalter auftritt, sondern die Lokremise als Ort versteht, an dem vor allem neues Theater produziert werden soll, das dann auch über den Thurgau hinaus touren soll. Eine Werkstatt im hinteren Teil der Remise deutet darauf hin. Beim Baustellenfest vorgestern war viel Aufbruchstimmung zu spüren, viel Herzblut auch. Mit einem unbekannten Molière-Stück will die Theaterwerkstatt im August in einer Eigenproduktion auf dem Girsberg bereits Sommertheater machen.