Sonntag 17. Mai 2015 - TMA - Die Begleitband



noce noseda, pablo bursztyn: "die begleitband" (el acompañamiento)

Bild: Dieter Langhart

Tuco und Sebastian sind seit jeher gute Freunde. Tuco arbeitet in einer grossen Fabrik als Giesser. Sebastian besitzt einen kleinen Kiosk in einem bescheidenen Viertel der Grossstadt.

Eines Tages entscheidet Tuco, nicht mehr zur Arbeit zu gehen. Stattdessen will er singen! Bruno, ein Kollege, hat Tuco davon überzeugt, seine damals abge-brochene Musikerkarriere wieder aufzunehmen. Bruno wird ihm zur Unterstützung gute Musiker schicken. Tuco verbarrikadiert im Keller und lässt niemanden zu sich. Er probt, wartet auf die Begleitband, und bereitet sich auf seinen zukünftigen Erfolg vor. Alle Bemühungen seiner Familie, ihn zur Vernunft zu bringen, sind zwecklos. Non soll Tucos Freund Sebastian helfen…

Videotrailer Begleitband D

Trailer - Die Begleitband

«El acompañamiento» ist eine Hymne an die Freiheit. Ein Stück à la Beckett, das die Menschlichkeit ins Zentrum stellt. El acompañamiento von Carlos Gorostiza wurde das erste Mal während des Theaterfestivals Teatro Abierto, 1982 in Buenos Aires gespielt. Teatro Abierto war viel mehr als ein Theaterfestival: Es war ein Aufstand der von 1982 bis 1986 dauerte. Kein politische Aufruhr, sondern ein theatraler Freiheitskampf gegen die Diktatur. Pablo Ariel Bursztyn hat das Festival 1983 als junger Schauspieler miterlebt. Rund dreissig Jahre später inszeniert er zusammen mit Andrea Noce Noseda dieses Stück in Hommage an den mutigen Widerstand des «Teatro Abierto».

«Sie führen Regie und spielen – und wie sie spielen! Pablo Bursztyn gibt den Giesser Tuco ruppig und doch äusserst verletzlich; schwer wie ein Bär mit weicher Elvis-Hüfte; rasch das Messer zückend und seinen Freund gleich wieder umarmend. Und wenn der Bariton singt und seinen Auftritt probt, glaubt man ihm, dass er es schaffen wird. Denn verrückt sind die andern, und Seba ist ein Pessimist, wenn er behauptet, die Begleitband werde gar nicht auftauchen. Noce Noseda spielt den Seba erst verhalten und ängstlich, doch dann kommt Leben in ihn, wie er merkt, dass seine eigenen Träume nicht vertrocknet sind, dass er bisher nur Ausreden hatte vor einem besseren Leben.»

Thurgauer Zeitung, 19. November 2013


pablo bursztyn hr

Pablo Ariel Bursztyn spielt den Tuco
Schauspieler, Theaterregisseur und Autor. Geboren in Buenos Aires in einer Familie von Theaterschaffenden. Ausgebildet im Theatre Studio von Philippe Gaulier in London, wo er auch als Theaterpädagoge tätig ist. Weiter bildet er sich in Paris mit Ariane Mnouchkine und in Buenos Aires an der Escuela de Arte Dramatico aus. Seine ersten Theatererfahrungen sind am Festival Teatro Abierto 1983. Ausgewandert nach Schweden, arbeitet er mit dem Kronoberg Stadsteatern, an der Dramatika Institutet, mit Tabano Group, mit Nya Mime Ensemble und mit dem ausgezeichneten Jordcirkus. Mit Jordcirkus entwickelt er Integrationsprogramme für Ausländer aus minderbemittelten Quartieren von Stockholm. 2000 nimmt er in Israel an einem internationalen Kulturprogramm teil, welches den Dialog zwischen Palästina und Israle fördert. In der Schweiz arbeitet er für verschiedene Theatertruppen. Zusammenarbeit u.a. mit Teatro Pan in Lugano als Regisseur und Autor, als Filmschauspieler mit Mohamed Sudani, RSI und in Argentinien mit Paula de Luque. Hält Kurse in Deutschland, Schweden, England, Schweiz, Italien, Österreich, Israel und Kanada.


andrea noce noseda hr

Andrea Noce Noseda spielt den Sebastian
Schauspieler, Erzähler und Theaterregisseur. Mitbegründer der Theaterwerkstatt Gleis 5, für welche er etliche Stücke inszenierte: Die drei Musketiere, in 80 Tagen um die Welt, Scapins Streiche (in dem er auch den Scapin spielte), Der Meister und Margarita, Soldaten – Ein Musiktheater, Gut Gebrüllt Löwe u. a.. Geboren 1978 im Tessin, wohnhaft seit 2004 in der Ostschweiz. Seit 1993 ist er in der Theaterwelt tätig. 1998 schliesst er seine Ausbildung an der Scuola Teatro Dimitri ab. Es folgen verschiedene Produktionen im Stil der Commedia dellʼArte (Venedig, St. Petersburg, Tokyo, Caceres, Santiago de Chile, Berlin…), des Forum Theaters, des Strassentheaters und der Erzählung. Er gibt Theater- und Improvisationskurse für Jugendlichen und Erwachsenen, unterrichtet an der Kantonschule Romanshorn. Zusammenarbeit u.A. mit Teatro Paravento, Trickster Teatro, Theater Casino Zug, Enzo Scanzi, Arte, Stagephotography, Giovanni Netzer. 2009 steht er mit dem Clown Dimitri auf der Bühne des Grand Théâtre de Geneve und der Berliner Philharmonie in L’histoire du Soldat.